Die Eucharistie

 

A) Praktisches

 

B) Theologisches

Das Wort Eucharistie bedeutet: Danksagung.
Die tägliche Eucharistiefeier ist die Quelle und Zentrum des kirchlichen Lebens,
insbesondere der Priester und Ordensgemeinschaften, aber auch der
gesamten Christenheit. Jeder Katholik ist gehalten, am Tag des Herrn,
am Sonntag, sowie wichtigen Festtagen, die Heilige Messe mitzufeiern.

Aufbau der Eucharistiefeier

Die Eucharistiefeier, die Christi Gegenwart unter den Seinen bedeutet,
mithin die Taufgnade aktualisiert, entfaltet sich in zwei Teilen,
die eng zusammengehören:

Zentrum der Feier ist die Heilige Wandlung, bei der Brot und Wein
auf sakramentale Art und Weise zu Leib und Blut Christi verwandelt werden.
Das sakramentale Gedächtnis Christi bewirkt nicht nur eine symbolische,
sondern eine wirkliche Gegenwart Gottes.
Diese fundamentale Glaubenswahrheit ist Ausgangspunkt für die Entwicklung
jeglicher eucharistischer Verehrung.

Der Priester handelt in der Person Jesu Christi, und die Wandlungsworte
sind Schöpferworte, die eine neue Wirklichkeit, die über unsere irdische
hinausgeht, hervorbringen. Daher kann unserem Verständnis nach
nur der gültig geweihte Priester die Eucharistiefeier wirksam feiern
(und nicht ist es - wie nach protestantischem Verständnis -
der Glaube der anwesenden Gemeinde, der Gott gleichsam anwesend macht).

 

Wirkung der Hl. Eucharistie

Grundsätzlich kann man sagen: In der Geschichte der Kirche wurde
manchmal der eine, manchmal ein anderer Aspekt der Bedeutung
und Wirkung mehr betont. Es gilt, hier klug den einen nicht
über einen anderen Aspekt zu vergessen,
sondern möglichst die Fülle der innenliegenden Symbolik auszuschöpfen.

 

Opfer

Das Heilige Opfer, das Gott Vater dargebracht wird, ist eine Vergegenwärtigung
des Kreuzesopfers Jesu Christi
auf Golgotha, das uns das ewige Leben
eröffnet hat. Der Empfang des Altarssakramentes in der Heiligen Kommunion ist
die Wegzehrung auf unserer irdischen Pilgerschaft und als solche
Mittel zum geistlichen Wachstum und zur persönlichen Heiligung
.
Jeder, der die Heilige Kommunion empfangen kann, wird durch
die helfende Gnade Gottes gestärkt.

Jesus nimmt das jüdische Pascha als Hintergrund, um dieses Fest der Befreiung
aus der Knechtschaft Ägyptens mit einem neuen Sinn zu versehen.
Die Begegnung mit Jesus in der Hl. Eucharistie soll unser neutestamentlicher Exodus
aus unserem ganz persönlichen „Ägypten“ der Sünde und der Not werden.
Siehe auch die weiter unten angeführte „Präfation I“ (Fronleichnam),
die den Opfergedanken ausführt, sowie die „Präfation II“, die den Aspekt
der persönlichen Heiligung im Gleichförmigwerden mit Jesus betont.

 

Mahl der Gemeinschaft

Parallel mit dem Opfergeschehen, in dem sich Jesus zu unserem Heil
ganz darbringt, ist aber auch das Mahlgeschehen wichtig:

 

Der „Heilende Aspekt“ der Eucharistie

Jede Begegnung mit Jesus hat zutiefst heilende Dimension – und das gilt
in besonderem Maße für die Hl. Eucharistie. Von daher ist der Sinn der
Krankenkommunion
zu verstehen, und daher wird auch den Sterbenden
schon seit der Zeit der Apostel die Hl. Eucharistie als Nahrung
für den Hinübergang gereicht ( Viaticum ).
Interessant ist auch, dass in Lourdes weitaus mehr Wunderheilungen
bei der Sakramentsprozession geschehen als in den Piscinen.

 

Historische Entwicklung

Jede eucharistische Verehrung hat ihre inhaltliche Wurzel in einem
ganz einfachen Sachverhalt: unserem Glauben an die leibhaftige
Anwesenheit Jesu mit Gottheit und Menschheit
in den Eucharistischen Gaben
, und zwar nicht erst bei der Kommunion,
sondern schon durch das Geschehen der Wandlung, und so lange
die Brot-Materie vorhanden ist. Daher ist die Verehrung der Hl. Eucharistie
die folgerichtige Konsequenz aus diesem Glauben.

Ursprünglich war die Eucharistische Verehrung in die Hl. Messe eingebettet:
Die Apologie des Philosophen und Märtyrers Justin (verfasst um das Jahr 150)
überliefert bereits eine Schilderung der Gemeindeeucharistie, der wir
die überaus hohe Bedeutung entnehmen, die der Hl. Eucharistie
damals bereits zukam. Es sind schon frühkirchliche Spendeworte
zur Kommunion-Austeilung überliefert, die ganz klar den Glauben an
Jesu Gegenwart bezeugen. Ab dem 3. oder 4. Jhdt. sind Kommunion-Gesänge
bezeugt, besonders wird auch Psalm 34 und 145 gesungen.

Außerhalb der Eucharistiefeier finden wir bis nach der Jahrtausendwende
nur eine Verehrung der für die Kranken und Sterbenden aufbewahrten Eucharistie.
Lediglich im Zusammenhang mit dem Karfreitagsgottesdienst finden wir eine
"Liturgie der vorgeheilgten Gaben"
.

Im 13. Jhdt. verschiebt sich die Akzentuierung des Eucharistieverständnisses:
die Realpräsenz Jesu in den Eucharistischen Gaben wird stärker betont.
Zugleich entspricht es der gotischen Frömmigkeit, "sehen" zu wollen.
Einerseits werden die Kathedralen größer, andererseits wird die Beteiligung
am Tisch des Herrn geringer. Aus diesen Gründen findet ein neuer Gebrauch
Eingang in die Hl. Messe: die Erhebung der Hostie unmittelbar nach
den Wandlungsworten des Hochgebetes, die späterhin von Glockenzeichen,
Kerzen und Gesängen begleitet wurde.

Seit dem Jahre 1209 hatte die Augustiner-Nonne Juliana von Lüttich
in Visionen erkannt, dass der Herr die Verehrung seines sakramentalen Leibes
durch ein Fest wünschte - der Ursprung des Fronleichnamsfestes.
Seit etwa 1265 sind Prozessionen bezeugt.

Im 16. Jhdt. nahm eine weitere Form der Eucharistieverehrung ihren Ausgang:
das Vierzigstündige Gebet. Angelehnt an die ursprüngliche Zeit
der Grabesruhe Jesu wurde viermal im Jahr in der Kirche des Hl. Grabes
in Mailand (zu den Kartagen, Pfingsten, Mariä Himmelfahrt und Pfingsten),
eine Vierzigstündige Anbetung gehalten. Von dort verbreitete sich
diese Andachtsform rasch, und aus ihr entwickelte sich die "Ewige Anbetung",
wo sich Kirchen und Klöster in einem festgelegten Rhythmus bei der Anbetung
abwechseln.

Die Eucharistische Anbetung, wie wir sie heute kennen, entspringt dem Wunsch,
das Geheimnis des Kommunionempfangs noch dankbar nachklingen zu lassen und
das Herz in Sehnsucht und Freude bereitzumachen, den Herrn wieder in Glaube,
Hoffnung und Liebe zu empfangen.

Zitate

Frère Roger Schutz über seine Erfahrung bei der Anbetung
in einer kleinen Dorfkirche: "Dies ist ein bewohnter Ort."

Augustinus (gest. 430): "Weil er im Fleisch selber hier wandelte,
so gab er uns auch sein Fleisch als Speise zum Heil; niemand aber
isst jenes Fleisch, der nicht zuvor angebetet hat.
Nicht nur sündigen wir nicht, wenn wir anbeten, sondern wir sündigen,
wenn wir nicht anbeten."


Präfationen von der heiligen Eucharistie
der Sonntage im Jahreskreis

I. Die Eucharistie als Opfer Christi und Opfer der Kirche

In Wahrheit ist es würdig und recht, Dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger,
ewiger Gott, immer und überall zu danken durch unseren Herrn Jesus Christus.
Als der wahre und ewige Hohepriester hat Er die Feier eines immerwährenden
Opfers gestiftet. Er hat sich selbst als Opfergabe dargebracht für das Heil der Welt
und uns geboten, dass auch wir diese Gabe darbringen zu seinem Gedächtnis.
Er stärkt uns, wenn wir seinen Leib empfangen, den Er für uns geopfert hat.
Er heiligt uns, wenn wir sein Blut trinken, das Er für uns vergossen hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln, den Thronen und Mächten und
mit all den Scharen des Himmlischen Heeres den Hochgesang
von Deiner göttlichen Herrlichkeit: Heilig, Heilig, Heilig ...

II. Abendmahl Christi und Eucharistiefeier der Gläubigen


In Wahrheit ist es würdig und recht, Dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger,
ewiger Gott, immer und überall zu danken durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn Er hat beim Letzten Abendmahl das Gedächtnis des Kreuzesopfers gestiftet
zum Heil der Menschen bis ans Ende der Zeiten. Er hat sich dargebracht
als Lamm ohne Makel, als Gabe, die Dir gefällt, als Opfer des Lobes.
Dieses erhabene Geheimnis heiligt und stärkt Deine Gläubigen,
damit der eine Glaube die Menschen der einen Erde erleuchte,
die eine Liebe sie alle verbinde. So kommen wir zu Deinem heiligen Tisch,
empfangen von Dir Gnade um Gnade und werden neu gestaltet
nach dem Bild Deines Sohnes. Durch ihn rühmen Dich Himmel und Erde, Engel
und Menschen und singen wie aus einem Munde
das Lob Deiner Herrlichkeit: Heilig, Heilig, Heilig
...

zum Textanfang